Die Synagogen

Innerhalb eines Jahrzehnts wurden in Geldern vier neue Synagogen gebaut, sie standen dort, wo jetzt die Ruwelwerke stehen (siehe Gedenktafel), die erste wurde am 18.11.1865 gebaut, die folgenden am 13.12.1865, am 5.8.1867 und am 27.8.1875. Die letzte Synagoge ist in der Reichskristallnacht niedergebrannt worden. 

Jüdische Bürger

Die Juden in Geldern waren begeisterte Staatsbürger. Am Sedanstag hingen vor allem an den jüdischen Häusern Flaggen, ausserdem wurde nur in der jüdischen Synagoge und in den evangelischen Kirchen ein Gottesdienst gehalten. Ähnlich verhielt es sich am Kaisergeburtstag und an Soldatenvereidigungen.

Die Bildung der Juden

Die Juden in Geldern hatten eine eigene Schule, sie sprachen im Gegensatz zu den Christen in Geldern, welche einen Dialekt, der mehr an Holländisch als an Deutsch erinnert sprachen, Hochdeutsch. Trotz ihrer guten Bildung blieben ihnen viele Berufe verwehrt und sie mussten sich mit unehrlichen Berufen abfinden (Gerber, Henker, Gaukler, Kreditverleiher).

Jüdische Vereine

1862 wurde der liberale Turnverein Geldern gegründet, im Vorstand war immer mindestens ein Jude, meist in der Position des Vizepräsidenten. In fast allen liberalen Vereinen Gelderns waren Juden im Vorstand.

Einstellung der Christen gegenüber den Juden

1871 war der Durchschnitt der geldrischen Bevölkerung nicht sozialistisch, geschweige denn nationalsozialistisch eingestellt. Die Gelderner tolerierten die Juden und lebten ohne Vorkommnisse mit ihnen zusammen. Im Nazi-Regime war die Angst vor der SS stärker als die Loyalität zu den Mitbürgern.

Zeichen für Judenverfolgung

Zeichen für Judenverfolgung in Geldern waren Plakate, die schon seit 1932 die Bürger gegen die Juden aufhetzten. Spottverse von Politikern, Hetzschriften und Flugblätter, sowie eine Notiz des Bürgermeisters vom 8.4.1933 mit folgendem Wortlaut:

Die Stadtverordnungsversammlung hat auf Antrag der Fraktion der NSDAP in ihrer Sitzung am 6. April  beschlossen:

1.Für die Beamten, Angestellten und Arbeiter der Verwaltung und kommunalen Betriebe gelten folgende Verbote, deren Untertretung unter Strafe gestellt wird:

A) in jüdischen Geschäften ihre Einkäufe zu tätigen (auch Verbot für Ehefrauen und Angehörige)

B) gemeinschaftliche Einkäufe unter Umgehung des Einzelhandels und Handwerks vorzunehmen

C) sich auf Teilzahlungsgeschäfte einzulassen die den Rahmen ihres Verdienstes überschreiten.

2.Alle städtischen Beamten, Angestellten und Arbeitern wird jede Nebenbeschäftigung gegen Entgelt unter Strafdrohung verboten.

Ab 1932  bekamen Juden keinen Zutritt zu öffentlichen Versammlungen in Geldern.

Anzahl der Juden in Geldern

1900>116

1905>108

1910>97

1925>72

1936>37

1940>9

1942>keine