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Archäologischer Arbeitskreis (AAK)Die Römer in Pont |
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Ausstellung des Archäologischen Arbeitskreises im Historischen Verein für Geldern und Umgegend „Die Römer in Pont“ vom 30.03. bis zum 20.04.2008 Die
Suche nach Mediolanum
Ein
altes, aber immer wieder neu aufgegriffenes Thema im Archäologischen
Arbeitskreis war „Mediolanum“. Mediolanum, was war es? Wo war es? Stimmen
die Literaturangaben? Wozu diente es? Mit diesen Fragen hatte der Arbeitskreis
ein Themenspektrum aufgegriffen, dessen Arbeitsinhalte nahezu unerschöpflich
schienen. Alle
wichtigen Erkenntnisse sollten auf einem
Faltblatt zur Ausstellung dokumentiert werden. Alle Teilprojekte dieser
Ausstellung „Römer in Pont“ sollten als Gedankenstütze in einem kleinen
Heft für die AAK-Mitglieder und besonders interessierte Ausstellungsbesucher
zur Verfügung gestellt werden. Da die komplette Erstauflage dieses Heftes
bereits am ersten Ausstellungstag vergriffen war wurden nachträglich mehr als
100 Exemplare für die weiteren Ausstellungstage erstellt. In den Vitrinen am Eingang zur linken Seite des Ausstellungsraumes sind überwiegend die Fundstücke aus den Museen untergebracht, die in verschiedenen Beschreibungen bereits veröffentlicht wurden. Das sind besonders schöne Glas-, Keramik- und Metallgegenstände des täglichen Lebens sowie Urnen und Grabbeigaben. Diese und viele weitere Gegenstände wurden in den letzten beiden Jahrhunderten wie zu jeder Zeit durch “Jäger und Sammler“ zusammengetragen. Einige
der „Jäger und Sammler“ u. a. Michael
Buyx, Constantin Ruys, Freiherr Max Geyr
von Schweppenburg hatten die
Notwendigkeit der Dokumentation dieser Fundstücke und Fundstellen erkannt und
durchgeführt. Darüber hinaus wurde an einigen Stellen gezielt gegraben, um
noch mehr zu erfahren. Die
Fundstücke wurden genau beschrieben. Darüber
hinaus gibt es auch in Pont interessierte Bürger, die einzelne Stücke auf den
Feldern, in Baugruben oder bei Straßenbauarbeiten gefunden haben und über
verschiedene Wege ihre Fundstücke den Museen zur Veröffentlichung übergeben
haben. Die
Mitglieder des AAK haben für diese Ausstellung nicht nur die Fundstücke
sondern auch die Dokumentationen dazu an Schautafeln und in Vitrinen präsentiert.
Heute
kennen wir die nach dem Gauss/ Krüger Koordinatensystem ausgerichteten Karten
und die flächentreuen Karten nach Mercator, die alle eingenordet sind. Einer der gewichtigsten
Ausstellungsstücke war sicherlich der römische Grabstein des Veteran Priminius
Tullius. Dieser Grabstein wurde 1874 bei Bauarbeiten an der Eisenbahntrasse von
Wesel nach Venlo in der Ortschaft Pont gefunden. Die Eisenbahntrasse verlief
sehr nahe an der alten Streckenführung der römischen Straße. Diese alte Römerstraße
lag als leichte Erhebung im Gelände und verlief in der Regel sehr gerade. Dis Manibus Primini(o) Tullio vet(erano) leg(ionis) XXX.V.V. Ulp(ia) Casua co{i}[n]iugi pietissimo et sibi viva fac(iendum) cur(avit). Die Inschrift, deren
Buchstaben ca. 5 cm groß sind, bedeutet auf deutsch übersetzt: Den Totengöttern geweiht. Ihrem geliebten Gatten Priminius Tullius, Veteran der Dreißigsten Legion, der Ulpischen Siegreichen, und sich selbst ließ Ulpia Casua (diesen Grabstein) zu Lebzeiten errichten. Bei einem geschätzten
Steingewicht von ca. 80 bis 100 kg wurde der Transport zunächst zu einem
Problem. Es wurde aber durch Zusammenarbeit mit dem Bonner LandesMuseum gelöst.
Solche Grabsteine wurden zur Römerzeit an Kultplätzen neben den Straßen
sowohl vor als auch hinter einer Siedlung aufgestellt.
Römische Str In den ausgestellten Karten wurde der bisher gefundene und vermutete Verlauf der römerzeitlichen Straßen eingezeichnet. Damit sich die Ausstellungsbesucher ein Bild von den damaligen Verhältnissen machen konnten, haben wir den Straßenbau in Bildern und in einem nachgebauten Lackprofil dargestellt. Das Lackprofil zeigt im Maßstab 1:3 die Römerstraße senkrecht aufgeschnitten. So könnten wir die Straße noch unter dem Pflughorizont finden, wenn durch Ackerbau und sonstige Bodeneingriffe dieser Aufbau nicht zerstört worden wäre. Neben dem Lackprofil haben wir einen römischen Meilenstein rekonstruiert. Das Original ist ca. 1000 kg schwer, über 2,20 Meter groß und wurde in der Nähe von Koblenz gefunden. Damit die Ausstellungsbesucher einen plastischen Eindruck von einem Meilenstein erhalten, wurde eine 150 cm hohe und 50 cm dicke Nachbildung erstellt. Dies entspricht in etwa dem aus dem Boden ragenden Teil eines römischen Meilensteines. Nur wenige Meilensteine wurden am Niederrhein gefunden. Einige haben eine Sekundärverwendung zum Beispiel im Haus- und Kirchenbau gefunden. Heute sehen wir an den Straßenkreuzungen auf gelben Schildern mit schwarzer Schrift die Orts- und Entfernungsangaben. Zur Römerzeit waren die Steine grau und die Hinweisschriftfarbe rot.
Fundstücke in den Vitri Ein
ganz besonderes Fundstück in unserer Ausstellung ist der Seepanter, ein
Fabeltier welches in der Raummitte präsentiert wurde. Dieses Fabelwesen wurde
bei Stassenbauarbeiten (B9-Umgehung) gefunden. Diese Figur mit der sehr seltenen
Fabeltierabbildung ist aus einem besonderen Metall (verzinntes Kupfer;
Incoctilia). Der Seepanter ist etwa 11cm lang, wurde aufwendig restauriert und
sehr gut dokumentiert. Dazu gehören besonders interessante Terra Sigillata- und Keramikscherben, deren Motive an den Stellwänden noch einmal beschrieben und als Zeichnung abgebildet waren. Auf
einer Stellwand haben wir mit Bildern versucht die Situation im römischen Pont
oder Mediolanum nachzuempfinden. Da wir das ganze Umfeld der Besiedlung zur Zeit
der Ausstellung noch nicht kannten, ist diese Tafel mit “So
hätte es sein können“ überschrieben.
Ausblicke Bei
einer gezielten, flächendeckenden Begehung aller Ackerflächen im Bereich Pont
und der genauen Kartierung aller bisherigen Fundstücke können die
Lebenssituationen der zurückliegenden Jahrhunderte bis zur Römerzeit,
vielleicht sogar bis zur Jungsteinzeit ermittelt werden. Alle
bisher bekannten Funde deuten auf einen Siedlungsbeginn etwa ein Jahrhundert vor
unserer Zeitrechnung hin. Ganz sicher sind wir uns bei der Zeit kurz vor unserer
Zeitrechnung bis zum Beginn des 3. Jahrhundert nach Beginn unserer Zeitrechnung.
Alle weiteren Fundstücke aus späteren Zeiten sind noch sehr spärlich und
wurden in unserer Ausstellung nicht gezeigt. Ab dem 12. Jahrhundert erleichtern
Urkunden und Schriftstücke sowie Gebäudedatierungen die Altersbestimmung. Der
Fundkomplex unserer Ausstellung bildete die Römerzeit ab. Die Römer hatten zu
ihrer Zeit ein bestens ausgebautes Straßen- und Wegesystem. In den letzten
Jahrhunderten wurden immer wieder römische Straßenabschnitte freigelegt. Da
die Trassen sich in sehr vielen Fällen, so auch in der Umgebung von Pont als
sehr brauchbar herausgestellt haben, werden diese Wege und Straßen zum Teil bis
heute noch genutzt. Natürlich ist dies nicht mehr der gleiche Horizont wie zur
ersten Straßenerrichtung. Durch die verschiedenen natürlichen und menschlichen
Eingriffe in den Boden wurde die Oberflächen verändert. Es wurden
Wasserläufe begradigt und
wieder renaturisiert. Torfabbau, Erz- Ton-, Kies- und Sandgewinnung sowie die
Trockenlegung ganzer Flächen veränderten die Landschaft. Diese Erdbewegungsmaßnahmen
zerstörten Funde unwiederbringlich. Vor
einem absoluten Verlust wird heutzutage von allen beteiligten Ämtern eine Prüfung
auf mögliche Fundstellen durch verschiedene Techniken durchgeführt. Hierzu gehören
die Überprüfung der Fundstellendateien, die Magnetometerprüfung,
Feldbegehung, Bohrungen,. Suchschnitte, Luftbilder usw. Auch unsere Politiker
haben den Wert solcher Fundstellen erkannt. Lernen aus der Vergangenheit und
gleichzeitiges Nutzen des gesteigerten Freizeitwertes sind möglich, wenn die
Vergangenheit sichtbar und erlebbar gemacht werden kann. Unsere
Ausstellung zeigt den möglichen Siedlungsbeginn über die ersten Funde bis zu
der Zeit, wo in diesem Gebiet die Siedlungsspuren römisch/germanisch geprägt
werden. Die Menschen haben später die vorhandenen
römischen Ressourcen genutzt. So wurden neue Steinbauten in einer steinarmen
Gegend zum Teil aus dem Abbruch alter Ruinen aufgebaut. Deshalb könnten in
einigen alten Kellermauern oder
sonstigen Mauergründungen Reste der alten Siedlung Mediolanum stecken. Hier
sind alle Bürger aufgefordert ihr Wissen für die wissenschaftliche
Dokumentation zur Verfügung zu stellen. Wir vom Archäologischen Arbeitskreis
unterstützen die Vorbereitungen einer wissenschaftlichen Dokumentation. Klaus Oerschkes siehe auch: Bilder der Ausstellung zurück
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